Chancen nutzen oder vor Risiken kuschen?
Von Nationalrätin Viola Amherd
Die Zukunft der Schweiz liegt in den Alpen, die des Wallis sowieso. Diese Zukunft bringt eine immer dichtere Vernetzung über die Grenzen hinweg. Wo wir im gesamten Alpenraum gemeinsame Interessen haben, sollten wir sie daher auch wahren. Deshalb ist die Schweiz 1999 der Alpenkonvention beigetreten.
Glaubensfrage
Doch wie weit man konkret gehen will, ist zur hart umkämpften Glaubensfrage geworden. Am letzten Tag der Wintersession hatte sich der Nationalrat nach 10-jährigem Ringen mit der Ratifizierung der Zusatzprotokolle zu befassen. Sie konkretisieren die Absichten in den einzelnen Bereichen Verkehr, Energie, Tourismus, Raumplanung, Bodenschutz, Landschaftspflege, Berglandwirtschaft und Naturschutz. Ein von den Eidgenössischen Räten in Auftrag gegebener Bericht des Bundesrates hatte ergeben, dass diese Protokolle keinen negativen Einfluss auf unsere schweizerische Gesetzgebung haben. Dennoch war der „Einfluss fremder Mächte“ ein oft geäussertes Argument der Gegner. Eine knappe Mehrheit im Nationalrat stemmte sich gegen jegliche Diskussion und lehnte selbst das Eintreten auf die Vorlage ab.
Die Schweiz als Vorreiter
Leider. Dabei hat die Schweiz selber einen recht fortschrittlichen Weg eingeschlagen: Von der Raumplanung über die Verkehrspolitik bis zur Neuen Regionalpolitik gelten wir in Europa als beispielgebend. Über die Alpenkonvention können wir selber Einfluss auf die Entwicklung der anderen Alpenregionen in unserem Sinne nehmen. Die Schweiz als führendes Land in Fragen der Berggebietspolitik hat bei der Erarbeitung der Protokolle entscheidend mitgewirkt. So ist es der Beharrlichkeit der Schweiz zu verdanken, dass eine gute Balance zwischen Schutz und Nutzen des Lebensraumes Alpen erreicht wurde. Die anderen Alpenländer haben mit der Unterzeichnung der Protokolle die Prinzipien unserer Politik anerkannt und sind ihnen weitestgehend gefolgt. Unter anderem auch deshalb bekam Brig-Glis die Ehre der Alpenstadt 2008 zugesprochen.
Gemeinsame Interessen
Die Konvention kann als Impulsgeber dienen, auch für wirtschaftliche Entwicklungen wie z.B. den sanften Tourismus, die Förderung erneuerbarer Energien, die Absatzförderung landwirtschaftlicher Produkte oder die europäische Alpentransitbörse, die wir dringend brauchen, um dem Schwerverkehr Herr zu werden. Damit wird das Alpengebiet auch gegenüber den städtischen Agglomerationen gestärkt. Der Alpenraum kann sich vereint besser gegen den Druck der Brüsseler Wirtschaftsbürokraten wehren, denen auch unser Land ausgesetzt ist.
Wenn wir nicht fremdbestimmt werden wollen, müssen wir offensiv bleiben und dürfen uns nicht in eine „Bergfestung“ zurückziehen. Wir müssen unsere Chancen wahren, was wir eindeutig nicht tun, wenn wir uns der Kooperation verweigern. Bleibt der Ständerat, der zumindest für die teilweise Ratifizierung der Zusatzprotokolle war, standhaft, bekommt die Grosse Kammer nochmals diese Chance.

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